Dienstag, 17. Januar 2017

Fehlende Montagsmotivation - ein Credo für Besonnenheit


Am Sonntagabend saß ich lange vor dem Bildschirm und schrieb vier unterschiedliche Fassungen der Montagsmotivation.  
Die erste sollte eine Studie zum Thema "Intuitives Essen" vorstellen, doch ich fand die Formulierungen nicht passend, mochte meine Beschreibungen nicht und  mich in Einzelheiten, die den Post langweilig und schwer verständlich machten.
Die zweite Version des Posts sollte ebenfalls das Thema Essen behandeln. Ich ließ die wissenschaftliche Pfennigfuchserei aus und war unzufrieden damit, das es zu oberflächlich wurde. 
Also beschloss ich das Thema außen vor zu lassen und wollte ein Zitat von Augustinus posten. Das kam mir dann einfach zu flach vor und ich machte einen vierten Post zu einem Brief, den F Scott Fitzgerald seiner Tochter schrieb. Nachdem ich diesen Post fertig und abgespeichert hatte, machte ich den Fehler ihn noch einmal zu lesen, löschte alles und ging ins Bett.
Und so kam es, dass ihr gestern ganz ohne Montagsmotivation in die Woche starten musstet- geschuldet meinem etwas aus den Fugen geraten Perfektionismus.

Aber, und das ist doch eine gute Nachricht, entsprechend habe ich die Motivation einfach auf den Dienstag gelegt, meine Gedanken schweifen lassen und bin genau zu diesem Thema gekommen. Ein Thema, das mir am Montag quasi gratis dazu gereicht wurde: Perfektionismus.
Ich bin Perfektionistin, allenthalben wird das als positive Eigenschaften angesehen, die Forschung würde nicht voran kommen, wenn nicht Heerscharen perfektionistischer Wissenschaftler an immer besseren Methoden, Thesen und Theorien arbeiten würden. Perfektionismus ist en vogue, wir alle prahlen gerne damit, es ist eine beliebte "Schwäche", die man im Vorstellungsgespräch erwähnt (Ich habe mal bei einem Vorstellungsgespräch nach meinen Schwächen gefragt und antwortete schlagfertig: Das ist doch jetzt die Stelle an der Sie hören wollen, dass ich zu perfektionistisch bin - Die Antwort war: Wenn Sie das sagen können Sie gleich gehen.- Wir lachten sehr und ich bekam den Job 10 Minuten später angeboten). 
Was wir aber bei dem ganzen stilvollen "Ich bin perfektionistisch" vergessen ist leider das wesentliche. Wir optimieren unsere Ernährung, unser Sportprogramm, unseren Zeitplan, die sozialen Beziehungen, Partnerschaften und das Outfit, aber wir kommen nicht eine Sekunde lang auf die Idee einfach zu leben.
Leben ist nicht perfekt, denn wir sind es nicht. Wir sind es nicht und wir können es niemals sein. Und einem Ideal hinterher zu hechten, unglücklich nach dem einen perfekten Moment zu greifen, dem perfekt flachen Bauch oder der perfekt funktionierenden Beziehung zerstört genau das, was unser Leben ausmacht: Das Leben an sich.
Genussvoll ein Eis am Strand essen klappt nicht wenn man die perfekte  mit weiße Hose nicht Schokoladenflecken besudeln darf. Ein genussvoller Moment ist zerstört, wenn er auf ein perfektes Foto gebannt werden soll (ich rede nicht von einem Schnappschuss, der aus dem Moment heraus entsteht) und eine Beziehung bröckelt in dem Moment in dem wir versuchen sie perfekt zu gestalten.
Deswegen ist meine Motivation für die Woche, auch wenn sie am Dienstag kommt, die Folgende:
Versucht nicht alles perfekt zu machen, genießt die Unvollkommenheiten des Lebens, atmet frei und unbeschwert. Perfektionismus ist der sicherste Weg sich selbst unglücklich zu machen. 
Ich wünsche euch einen wundervollen Dienstag
Liebste Grüße
Lotte

Mittwoch, 11. Januar 2017

Things need to change - eine kleine Challenge für 2017

Einer meiner unausgesprochenen Vorsätze für das Jahr 2017 war es weniger auf mein Handy zu starren und meine Zeit damit zu vergeuden das dreitausendsiebenhundertachtzigste Bild von Schokoladenkuchen auf Pinterest zu speichern.
Dieser Vorsatz ist allerdings gar nicht so leicht einzuhalten. Täglich fahre ich circa eine halbe Stunde mit dem Bus zur Arbeit und abends dann auch wieder zurück. Hinzu kommen Ausflüge in Richtung Hannoveranische Innenstadt, Fahrten zu meinen Eltern oder generelle Zeit, die ich in Bussen und Bahnen auf dem Weg durch die Weltgeschichte, damit verbringe mich über Käsesorten der Normandie seit 1843 in einem Internetforum zu informieren.
Kurz gesagt: Wartezeit wird von mir häufig damit ausgefüllt auf mein Telefon zu starren. Und als ich vor einigen Tagen in der Bahn saß, fiel mir auf, dass kaum jemand es anders macht.
Wir sitzen alle am Smartphone, kommen vom Hundertsten ins Tausendste und lassen uns permanent ablenken. Tatsächlich fiel mir bei meiner Beobachtung genau ein Mensch auf, der es anders machte. Es war ein Mann, ungefähr in meinem Alter, der statt auf sein Handy sehr konzentriert in ein Buch starrte. Und ganz ehrlich? Nie war mir jemand auf Anhieb so sympathisch und kam mir so interessant vor wie er. Sich in einem Moment, der eigentlich mit Warten verbracht wird, die Zeit mit einem Buch zu vertreiben ist etwas aus der Mode gekommen, jedoch eine fantastische Alternative zur Bildschirmzeit-
Und so habe ich beschlossen meine Zeit in Bus und Bahn nicht mehr mit meinem Handy, sondern stattdessen mit guter Lektüre zu verbringen.
Und , damit ich es auch wirklich mache, habe ich mir eine kleine Challenge ausgedacht. Dieses Jahr möchte ich jeden Monat mindestens zwei Bücher lesen und dann, am Ende des Monats über diese Bücher auf dem Blog berichten. Jeweils der letzte Freitag im Monat ist einem Buchbericht vorbehalten, in dem ich euch zwei Bücher aus allen Kategorien vorstelle. Mal werden es Sachbücher sein, mal Romane, mal kurz, mal lang, aber immer zwei Bücher. So möchte ich mich in Selbstdisziplin üben, wenn ich einmal wieder stundenlang am Telefon hänge und Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes, einfach totschlage.

Papier ist geduldig, Bücher entführen in andere Welten, regen die Fantasie an und ganz nebenher tue ich auch noch ein bisschen was für meine Bildung.
Vor kurzem las ich diesen Artikel zum Thema Ruhe. Dass die meisten Probanden angaben sich am besten beim Lesen entspannen zu können, hat mich noch einmal in meiner Idee bestärkt.
An vielen Tagen in der Woche hetze ich von einem Termin zum anderen, ich gehe Arbeiten, treffe mich mit Freunden, habe soziale Verpflichtungen (von denen ich euch bald genaueres berichten werde), schreibe am Blog oder meinem Roman oder singe im Chor. Viel Zeit Zuhause ein Buch zu lesen bleibt da nicht, obwohl Lesen auch für mich die entspannendste Tätigkeit der Welt ist.
Aber wenn der Prophet nicht zum Berg kommt...
Dementsprechend freue ich mich auf meine Bücherchallenge 2017.
Ihr seid herzlich eingeladen mir eure Lieblingsbücher zu empfehlen, Vorschläge zu machen und fröhlich teilzunehmen.
Bis dahin wünsche ich euch den wundervollsten Mittwoch.
Liebste Grüße
Lotte

Montag, 9. Januar 2017

Money. Money, Money... Warum man sein Geld anderen geben sollte und Sheldon Unrecht hat

Vor ein paar Wochen gab ich unglaublich viel Geld aus. Ich kaufte großartigen Wein, sehr teures Hirschgulasch und allerlei Köstlichkeiten für ein Essen, das ich für meine Umzugshelfer gab.
Wie hoch die Rechnung im Einzelnen war möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen, sagen wir so: Es war gut, dass mein erstes Gehalt unmittelbar vorher kam und meine Miete nicht abgezogen war. ;)
Was ich allerdings nicht mehr wusste: Dieses Geld habe ich in wunderbare Weise in Glück investiert. Zum Einen, weil es ein zauberhafter Abend mit großartigen Menschen wurde - was per se immer sehr glücklich macht- zum Anderen jedoch auch, weil es uns Menschen immer glücklich macht, wenn wir unser Geld nicht horten wie eine Elster, sondern für andere ausgeben.
Klar, Vorsorge ist wichtig, sollte reichlich betrieben und keinesfalls unterschätzt werden, doch wirklich glücklich werden wir davon nicht.
Was unserem Glück jedoch hilft, so zeigt die Studie von Dunn, Aknin und Norton (2008) in Science, ist es Geld für andere auszugeben. Ein Geschenk kaufen, jemanden auf einen Kaffee einladen, spontan einer Freundin ein Buch schenken, etwas im Urlaub für andere kaufen. Geld spenden, all das macht uns viel glücklicher als Geld nur für uns auszugeben.

In mehreren Experimenten untersuchten die Autoren inwiefern sich die Art, wie wir Geld ausgeben auf unser Glück auswirkt.
Und tatsächlich war es so, dass die Menschen, die ihr Geld eher dafür ausgaben Geschenke für andere zu kaufen oder zu spenden, glücklicher waren als jene, die ihr Geld für sich selbst ausgaben. Interessanterweise war dies sogar unabhängig vom Einkommen der befragten Personen und ließ sich in unterschiedlichsten Erhebungen immer wieder feststellen.
So führte die Autoren zunächst eine einfache Befragung einer Bevölkerungsstichprobe durch, befragten in einer weiteren Untersuchung Menschen, die bei der Arbeit einen Bonus ausgezahlt bekamen vor und nach dem Bonus zu ihrem Glück und führten schließlich auch noch ein eigenes Experiment durch, indem Probanden unterschiedliche Geldbeträge entweder für sich selbst oder andere ausgeben mussten. Das Ergebnis war jedes Mal das Gleiche- Menschen, die ihr Geld in andere investierten, sei es durch Spenden oder indem sie Geschenke kauften, waren glücklicher als jene, die sich selbst beschenkten - unabhängig von Einkommen und Geldbetrag.
Und warum machen wir das Ganze nicht einfach? Weil wir es nicht besser wissen.
Tatsächlich gaben die Personen in dem Experiment an, sie wären der Überzeugung eine Investition zum eigenen Vergnügen würde sie glücklicher machen als das Geld anderen zu geben.
Oder, frei nach Sheldon Cooper, es ergibt keinen Sinn Geschenke zu kaufen, weil der andere dann ein gleichwertiges Geschenk kauft und man sich ein Leben lang immer wieder etwas schenken müsse bis schließlich der gewinnt, der stirbt bevor er das letzte "Ausgleichsgeschenk" kauft.
Nun, Sheldon ist sicher ein Genie, in diesem Moment vergisst er jedoch einen Faktor, der so beachtlich ist, dass es auf das eigentliche Geschenk gar nicht mehr ankommt. Investiere ich mein Geld in andere investiere ich auch in mein eigenes Glück.



Wenn ihr mich fragt ist das ein guter Grund niemals mit dem Schenken aufzuhören. Denn sich selbst und anderen gleichzeitig eine Freude machen ist allemal wert ein wenig zu investieren ;)
Ich wünsche euch den wunderbarsten Start in die Woche
Lotte

Quelle:
Dunn, E. W., Aknin, L. B., & Norton, M. I. (2008). Spending money on others promotes happiness. Science (New York, N.Y.), 319(5870), 1687–1688. doi:10.1126/science.1150952

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