Direkt zum Hauptbereich

Ein bisschen mehr Anstalt, bitte!

In unserer Wohnung gibt es keinen Fernseher, zumindest keinen um darin Tatort, Wetten, dass? oder Frauentausch zu gucken. Dafür haben wir weder Zeit noch die nötige Lust.
Um ehrlich zu sein langweilt mich das herkömmliche Fernsehprogramm meistens, Tatort und Co. sind faktisch meist falsch und ich finde eh kaum die Zeit mir so etwas anzuschauen.
Eine große Ausnahme gibt es jedoch: Satirsendungen. Ich bin ja bekanntlich ein großer Fan der heute show. Dieses Jahr ist jedoch eine Sendung dazu gekommen, die beinahe alles in den Schatten stellt, was ich bisher an politischem Kabarett und Satire gesehen habe. Bitterböse, gnadenlos und sofort mit einer einstweiligen Verfügung von einem gewissen Herrn Joffe (Herausgeber der Zeit, klick hier) bedacht, ist das neue Format von "Neues aus der Anstalt" bisher ungeschlagen auf Platz 1 meiner liebsten Satiresendungen.
Dabei blieb mir bei einigen Sendungen das Lachen, vor lauter Wahrheit, im Hals stecken. So zum Beispiel bei Claus von Wagner letztem Solo zur PEGIDA. Der Nagel ist auf den Kopf getroffen würde ich behaupten.

Momentan macht sich ein Fremdenhass und eine Feindlichkeit gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern breit, dass mir regelrecht schlecht wird.
Derartig viel braune Sch***e ist mir in letzter Zeit unter gekommen, dass mir fast die Luft wegbleibt.
Menschlichkeit, Wärme und die Anerkennung anderer Kulturen und Menschen scheint vielen abhanden gekommen zu sein, die zur Zeit fröhlich Rituale des "Liebe in Geschenkform kaufen" und anheimelnder Kitschmusik verbringen.
Das Grand Mot der Menschlichkeit, gerade in einer Zeit in der alle von Liebe, Schönheit und Beisammensein reden, scheint vielerorts verloren gegangen.
So demonstriert jeden Montag die sogenannte PEGIDA für Werte, die das Letzte Mal 1945 so nett beendet wurden.
Der Hohn daran? Sie titulieren das Ganze mit Ausrufen wie "Wir sind das Volk".
Welch ein Schlag ins Gesicht für all die Menschen, die 1989 für Freiheit, das Recht zu reisen und Demokratie auf die Straße gingen und nicht wussten ob nicht vielleicht doch einmal ein Schießbefehl kommt.
Welch ein Spott jenen gegenüber, die ihr Leben mehrfach aufs Spiel setzten, weil sie durch Wüsten, über das Mittelmeer oder wer weiß wie hierher flohen, da in ihrem Land ihr Leben in Gefahr ist. Niemand macht so etwas freiwillig aus Jux und Tollerei, nur um dann hier zu landen und behandelt zu werden als wäre man kein menschliches Wesen mehr.
Bei derartig hanebüchenem rechten Schwachsinn stellen sich mir die Nackenhaare auf.
Ich bin froh, dass es trotz allem in Dresden auch eine Gegendemonstration gibt, die zeigt: "Nicht mit uns". Bestehen tut sie übrigens aus Studenten und der TU (letzte Woche sprach dort der Rektor der Uni!), Vertretern der jüdischen Gemeinde, der christlichen Kirchen und dem islamischen Zentrum. Die Botschaft ist klar. So etwas hat bei uns nichts verloren. Oder um es mit Claus von Wagner Worten auszudrücken:

In diesem Sinne. Steht auf, zeigt ihr seid gegen Fremdenfeindlichkeit (die drückt sich übrigens besonders schön in dem Satz aus: "Ich bin ja kein Rassist/Nazi/Fremdenfeind, ABER...") und lasst nicht diejenigen lauter werden, die so wenig Neues zu sagen haben.

Ein Moment in "Neues aus der Anstalt",der mich rührte war in der Sendung vom 18.11. Dort sang am Ende der syrische Flüchlingschor "Zuflucht". Ausgerechnet im Rahmen einer Satirsendung fand sich Platz, Raum und Gehör für diese Menschen. Trotz allen Klamauks, aller Späße und witzigen Bemerkungen schafft es die "Anstalt" dafür einen Rahmen.
Die ganze Sendung war übrigens unglaublich gut. Findet ihr in all dem Weihnachtstrubel und der Hektik einen Moment Zeit, so schaut euch vielleicht die 729. Wiederholung von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", sondern die Sendung "Anstalt" vom 18.11. an.
Vielleicht nicht sehr weihnachtlich- obwohl. Geht es da nicht eigentlich um Nächstenliebe?

Einen wunderbaren Sonntag  und einen schönen 3. Advent wünsche ich euch,
Lotte

PS: In der Anstalt finden auch Themen wie die Fußball WM, Rente und Lobbyismus unter Journalisten ihren Platz. Unbedingt anschauen, es lohnt sich!

Kommentare

  1. Liebe Lotte, danke für diesen Text, der meinem aktuellen Blogpost gerade eine ganz andere Richtung gegeben hat, als ich es zu Beginn im Hinterkopf hatte. Daher wirst du dort natürlich auch verlinkt.
    Ich gucke auch sehr wenig Fernsehen (obwohl wir jeden Sonntag Tatort gucken, aber sonst eigentlich gar nichts). Vielleicht sollte ich mir "Neues aus der Anstalt" mal in den Kalender schreiben, sonst vergesse ich das immer. Ich gucke auch noch sehr gern "Extra 3" im NDR.
    Liebe Grüße
    Nele

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Nele,
      Danke für deine Verlinkung und den Kommentar. Bei dem Thema können gar nicht genug Leute zeigen, dass sie dagegen sind! Ich finde es jedes Mal erschreckend, dass derartig viele Menschen sich versammeln um einen großen Haufen Schwachsinn von sich zu geben. Zum Glück gibt es auch die andere Seite. (Wird in den Medien nur leider wenig erwähnt)
      Die Anstalt lohnt sich tatsächlich. Man findet zum Glück auch alle Folgen auf YouTube. Da gucke ich auch meistens, da ich es nie schaffe pünktlich einzuschalten.
      Extra3 gucke ich auch sehr gerne :-)
      Einen schönen dritten Advent wünsche ich dir.
      Liebe Grüße
      Lotte

      Löschen
  2. Es gibt ja noch etwas zu bedenken. Etwas äußerst Übles, nämlich das Abweichen von Wort und Tat. Unsere ach so lieben Gutmenschen, die mit Tremolo in der fast tränenerstickter Stimme die Ungerechtigkeit der Welt bejammern, wie hier an der Küste bevorzugt die "Linke" und die "Grünen", die aber nichts tun.
    Beispiel gefällig?
    Die CDU/FDP - Fraktion in der Stralsunder Bürgerschaft und der hiesige Lions - Club haben in der vergangenen Woche einen Nachmittag für Flüchtlingskinder und deren Eltern organisiert. Kuchen wurde gebacken, Bälle und anderes Spielzeug gekauft und die kleinen und großen Menschen aus so unterschiedlichen Regionen wie Syrien - Isis - Flüchtlinge; Zentralafrika und Ghana - Boko - Haram Flüchtlinge, Afghanen Taliban - Flüchtlinge. saßen friedlich bei Tee, Kaffee und Kuchen mit uns zusammen. Gemeinsam - und darauf liegt die Betonung haben wir einen wunderschönen Nachmittag erlebt. Wo waren aber die ebenfalls zum Mitmachen eingeladenen Gutmenschen? Genau! Woanders.
    Und das stört mich am meisten. die Fresse wird bis zum Anschlag aufgerissen, Wie Wohlfeil! Aber tun - das sollen doch bitte die anderen. Ich habe noch keine anderen gesehen. Ich habe sie verzweifelt gesucht aber nie gefunden. Ich vermute, die gibt es nicht, wer sich auf die anderen verlässt ist verlassen.
    Gut, dass Du die Sache aufgegriffen hast.

    Hansi

    AntwortenLöschen
  3. Bei mir und meinem Mann ist es ähnlich. Kaum TV. Wir unterhalten uns lieber oder schauen dann Sendungen wie diese! Die haben wir auch gesehen, wollten eigentlich ins Bett. Waren aber dann (mal wieder) an die Couch gefesselt. Aber im positiven Sinne! Diese Sendung verdient eigentlich sehr viel mehr Aufmerksamkeit. Nur ich glaube, dass viele sich mit diesen Themen nicht auseinander setzen wollen und es auch gar nicht erst verstehen.
    Danke für deinen Post!!!
    LG Julia

    AntwortenLöschen
  4. Super Post...

    Liebste Grüße zu dir :-)

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über eure Anmerkungen und Kommentare :-)

Beliebte Posts

Montagsmotivation: all die kleinen Dinge

Es gibt da so ein großartiges Zitat von Andy Rooney, das mir immer mal wieder in den Sinn kommt, sobald der Alltag Einzug hält:

"For most of life, nothing wonderful happens. If you don’t enjoy getting up and working and finishing your work and sitting down to a meal with family or friends, then the chances are that you’re not going to be very happy. If someone bases his happiness or unhappiness on major events like a great new job, huge amounts of money, a flawlessly happy marriage or a trip to Paris, that person isn’t going to be happy much of the time. If, on the other hand, happiness depends on a good breakfast, flowers in the yard, a drink or a nap, then we are more likely to live with quite a bit of happiness."

Andy Rooney

Tatsächlich passieren große und lebensverändernde Dinge doch (zum Glück) nicht jeden Tag. Eigentlich lebt man ja so insgesamt betrachtet mehr vor sich hin. Das kann einerseits frustrierend erscheinen, ist aber andererseits vielleicht auch gar nicht sch…

Zeitmanagement zusammengefasst

Gestern war ich ziemlich fertig. Nach nur drei Stunden Schlaf verbrachte ich den Tag eigentlich damit im Bett zu liegen, Torte zu essen, "Da Vincis Demons" zu schauen und mit Freunden zu telefonieren. Und ganz nebenbei stolperte ich über ein Zitat zum Thema Zeitmanagement. Und weil ich es so schön finde, habe ich es euch einfach heute mitgebracht. Um ehrlich zu sein war ich am Sonntag nämlich nicht in der Lage weiter zu denken als "Oh ich esse jetzt einmal ganz viel Kuchen". 
“ Instead of saying “I don’t have time” try saying “it’s not a priority,” and see how that feels. Often, that’s a perfectly adequate explanation. I have time to iron my sheets, I just don’t want to. But other things are harder. Try it: “I’m not going to edit your résumé, sweetie, because it’s not a priority.” “I don’t go to the doctor because my health is not a priority.” If these phrases don’t sit well, that’s the point. Changing our language reminds us that time is a choice. If we don’t like…