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Bodyimage 2.0 oder Warum es etwas ausmacht wie du über deinen Körper sprichst

Wer von euch ist einem Umfeld aufgewachsen, in dem ausschließlich positiv über den eigenen Körper gesprochen wurde?
Wer von euch hat noch nie gehört, dass jemand eine Diät macht?
Wer von euch hat noch nie den Satz gesagt "Ich muss dringend abnehmen"?
Und wer von euch hat diesen Satz noch nie aus dem Mund eines ihm nahe stehenden Menschen gehört?

Ich tippe einfach mal darauf, dass es niemandem so geht. Glückliche Menschen, die all diese Fragen mit "Ich" beantworten können: Bitte einen Kommentar hinterlassen. Ihr seid die Königinnen des Tages (und Könige für die zwei Männer, die hier lesen).
Tatsächlich das (ver)urteilen des eigenen Körpers oder des Körpers eines anderen Menschen so alltäglich, dass es uns gar nicht mehr auffällt. "Bei den Schenkeln sollte die besser eine andere Hose tragen" kommt relativ schnell im Gespräch auf. Die Frage "Sehe ich fett darin aus?" Stelle ich ungefähr fünf Mal pro Kleidungsstück, wenn ich mit meinen Mädels shoppen oder auf eine Party gehe. Wir sind besessen von Körpern, von unserem, von dem anderer. Wir trainieren hart um Bauchmuskeln zu bekommen, schämen uns, wenn wir das abendliche Training mit einer Pizza beim Italiener feiern (alle Hannoveraner: Wie genial ist die L'Osteria bitte???) und vergleich uns 24/7 mit den Frauen, die so auf dem Cover von InShape und Vogue rumhängen - oder, noch subtiler, die bei diversen Magazinen zum Thema Glück interviewt werden. Schön, erfolgreich, hip und glücklich - wie sollen wir da mithalten?
Ich war fünf Jahre alt, als eine Tante mir sagte ich hätte im Gegensatz zu meiner Cousine schon Speckrollen (Randinformation: Ich hatte bis ich 25 wurde durchgehend Untergewicht - ist also eher übertrieben). Der weibliche Teil meiner Familie unterhielt sich häufig darüber wer dicker ist, wer zugenommen hat und ob man abends Kohlehydrate essen darf. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige, die mit all diesen Themen aufgewachsen ist. Ich weiß, niemand aus meiner Verwandtschaft meinte das böse oder wollte den kleinen Mädchen in ihrer Nähe schaden. Trotzdem gaben sie genau das wieder, was sie selbst gelernt hatten: DU MUSST DÜNN SEIN!
Und offenbar schon seit einigen Generationen. Wir lernen seit unserer frühesten Kindheit, dass Schönheit durch ein gewisses Untergewicht symbolisiert wird, dass schlanke Menschen willensstark sind und pummelige Menschen eben einfach keine Kontrolle über sich haben. Und wir geben es immer schön weiter. An unsere Freundinnen, während wir lästern, an unsere Kinder, wenn wir vor ihnen über Diäten sprechen, an unsere Mütter, wenn wir ihnen, jetzt da wir erwachsen sind, nicht sagen: "Mama du bist eine wunderschöne Frau. Ganz egal was du darüber denkst und welche Kleidergröße du trägst. Du bist wunderschön, intelligent und einfach umwerfend" (Bitte Mama, gern geschehen;)). Wir nehmen hin ohne zu hinterfragen. Wir lästern ohne nachzudenken. Und wisst ihr was das Schlimme daran ist? Mit jedem Mal, das wir so etwas tun, macnhen wir das Bild in unserem Kopf ein bisschen fester. Mit jedem Mal, glauben wir ein bisschen mehr daran. Und plötzlich ist es eine Katastrophe, wenn wir mit 40 nicht mehr den Körper einer 18Jährigen haben.

Wunderbar. Ein desolater Zustand. Und was tun wir jetzt? Das Ganze klingt erst einmal sehr leicht: AUFHÖREN! Redet nicht vor kleinen Kindern über eure Diäten (die kleinen Monsterchen hören alles mit), lästert nicht über füllige Damen in Hotpants und vor allem: Hört auf negativ über euch und euren Körper zu sprechen. Auch nicht als getarntes Komplimente fischen. So etwas wie: "ich sehe heute dick aus" nur um dann zu hören "Ach was, du doch nicht. Ich wünschte ich hätte deine Figur!" ist um ehrlich zu sein ziemlich manipulativ und ein bisschen eklig. Was machen wir stattdessen?
Ich bin jemand, der gerne Komplimente verteilt. Immer und ständig. Meistens werde ich schräg angeguckt, wenn ich Menschen sage: Ich bewundere deinen Stil, Sie sind wirklich schön oder "OMG Du siehst heute einfach wundervolle aus" Aber um ehrlich zu sein ist mir das egal.
Und wenn andere über die Körperfülle eines Menschen und dessen Modegeschmack lästern ist mein Lieblingssatz dazu "SIE findet sich schön" Punkt. Keine weitere Erklärung. Dieser Mensch trägt was er trägt und mich geht es nichts an.
Was mich selbst angeht, so fällt es mir tatsächlich nicht immer leicht mich so anzunehmen wie ich bin. Mein Körper ist weiblicher geworden in den letzten Monaten. Das ist seltsam. Sachen, die mir durchgehend seit meinem 14. Lebensjahr passen, drücken inzwischen und ich möchte sie nicht mehr anziehen. Das alles ist ungewohnt. Ich habe aufgehört mich zu wiegen. Warum auch? Was sagt mir eine Zahl über meine Person? Ich mache Sport. Ich esse nach der 80/20 Regel und genieße eine gute Pizza ebenso sehr wie einen frischen Salat. Dennoch kneifen meine Hosen manchmal, dann kaufe ich neue, oder ich sehe Frauen, die sehr viel schlanker sind als ich, dann hinterfrage ich mich kurz.
Ich gebe zu, der Teil mit der Selbstliebe braucht Zeit und Arbeit. Es ist nichts, was vom Baum fällt und von dem ich auf immer zehren kann. Nein, es bedeutet mich anzunehmen, auch wenn mein Körper zu gewissen Zeiten im Monat lauter Wassereinlagerungen hat und ich nicht mehr als Bohnenstange durch die Gegend laufe.
Ein Freund von mir hat auf seinem Badezimmerspiegel ein Post it kleben auf dem steht "Eure Eminenz sehen heute wieder blendend aus" Und ich liebe den Gedanken dahinter. Der Gedanke sich jeden Tag zu sagen: Ich bin schön. Ich sehe blendend aus und zwar nicht nur von Außen, sondern auch von Innen, ist tatsächlich wundervoll. Stellt euch einmal vor wie viel Zeit wir für Kreativität, Genuss und Abenteuer haben, wenn unser Kopf nicht permanent damit beschäftigt ist ein Ideal anzustreben, das wir niemals erreichen werden.


Zum Abschluss der heutigen Montagsmotivation habe ich ein Video für euch. Es ist von der bekannten Bloggerin Cassy Ho und setzt sich genau mit diesem Thema auseinander. 

Ich hoffe, dass wir alle eines Tages auf die abschließende Frage mit einem deutlichen "Nothing" antworten können. Und am allermeisten wünsche ich mir, dass kommende kleine Mädchen diese Frage gar nicht erst stellen müssen, denn nichts ist so vergänglich und so sekundär wie vermeintliche äußere Schönheit.

Habt einen wunderbaren Start in die Woche
Liebste Grüße 
Lotte

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