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Vom Heimweh oder vom guten Gefühl der Melancholie

Am letzten Wochenende war ich in Leipzig. Eine liebe Freundin von mir feierte eine große WG Party und ich traf mich außerdem mit Dr. Ralf Friedrich (seinen Gastbeitrag könnt ihr hier lesen), seiner wundervollen Freundin und dem nicht minder wunderbaren Hund Professor Lupin. 

Und ich bekam Heimweh. 
Heimweh bekomme ich jedes Mal, wenn ich nach Leipzig fahre. So ein komisches Ziehen in der Bauchgegend und ein bisschen schlucken müssen, wenn ich nach Hannover zurück kehre. 
Und irgendwie macht mich das immer ein bisschen unzufrieden. Denn, um ehrlich zu sein, ist das Jammern auf hohem Niveau. Schließlich ist es nicht so, dass ich zurück in die Hölle fahre, sondern zu lieben Freunden, einer Arbeit, die mir großen Spaß macht und so vielen Veranstaltungen, dass ich das Ganze auch locker in ein halbes Jahr packen könnte. 
Und trotzdem ist es nicht einfach. Als ich nach Hannover zog dachte ich, es wäre vorbei mit Leipzig. Ein neuer Lebensabschnitt steht an und ich werde gar keine Zeit haben die Stadt zu vermissen und überhaupt daran zu denken. Das stimmt ja auch - in Teilen - , dennoch denke ich manchmal sehnsüchtig daran zurück, wie genau ich mich in Leipzig auskenne, wie hip dort alles ist und dass es Nachtverkehr auch innerhalb der Woche gibt. 

Und dann, während ich letztes Wochenende durch die Straßen meiner Lieblingsstadt schlenderte, fiel mir auf, dass Heimweh ja auch eine schöne Sache sein kann. 
Leipzig wird immer meine Stadt des Erwachsenwerdens sein. Ich werde es immer in Erinnerung behalten als die Stadt, in der mir Flügel gewachsen sind und ich lerne so zu leben wie es mir entspricht. Leipzig wird immer die Stadt meiner ersten Liebesbeziehungen bleiben, die Stadt des Ausprobierens, der Freiheit und des Wachsens. Bevor ich nach Leipzig kam, lebte ich in einem winzigen Dorf. Leipzig zeigte mir wie anders das Leben sein kann und wie wunderbar es wird. Komme ich zurück nach Leipzig, weiß ich genau wer ich bin. Ich stehe fest auf dem Boden, weil diese Stadt mich geerdet hat. 


Hannover ist anders. Hannover ist die Stadt in der ich anfange zu arbeiten, in der ich eine Karriere beginne und promoviere. Hannover ist die Stadt, die mir zeigt wo ich noch wachsen darf und mich in vielen jugendlichen Überzeugungen erschüttert. Hannover kommt einem kleinen Erdbeben gleich, denn hier lerne ich immer mehr zu hinterfragen - auch und besonders mich selbst- ich lerne Freundschaften zu pflegen, obwohl ich Überstunden mache, lerne noch organisierter zu sein und meinen Alltag völlig neu zu gestalten. 
Ich vermisse Leipzig, weil es sicher ist, weil es, neben eines Jobs, keine Herausforderungen gebracht hätte. Hannover wirft mich aus der Bahn, bringt mir neue Herausforderungen und wirft mir immer wieder neue Dinge vor, an denen ich wachsen darf. Denn hier ist alles neu: Job, Freunde, Stadt, soziales Engagement, Lebensweise. Einfach alles. Und vermutlich ist es genau das, was ich brauche. Denn es fordert meine Bequemlichkeit heraus. Leipzig ist ein sicherer Hafen, ein Ort, den ich kenne, Hannover ist ein bisschen wie ein Meer auf dem ich mit einer kleinen Nussschale unterwegs bin. (Ich glaube nicht, dass jemals zuvor so etwas über Hannover gesagt wurde)

Aber - und das ist mir klar geworden-, genau das bringt den ganzen Spaß. Nichts hält mich auf in ein paar Jahren zusammen mit meinem Doktortitel und massenhaft Erfahrung nach Leipzig zurück zu kehren. Aber bis das der Fall ist genieße ich jeden Moment, den ich hier bin, zelebriere die Herausforderungen und beschließe einfach zu wachsen. 

Ich wünsche euch den wundervollsten Mittwoch 
Liebste Grüße
Lotte 

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