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Mehr von dem guten Zeug bitte

Am Wochenende, während der Schnee die Welt ein bisschen weiß zauberte, kuschelte ich mich in Worte und Geschichten wie in eine warme Decke. Ich habe begonnen das erste Buch von Charlotte Eriksson zu lesen, ein Buch um das ich seit einem Jahr herum schlich. Gleich die ersten Sätze verzauberten mich und ich musste sie gleich allen möglichen Menschen schicken. 
Ich las auch in "The Sun and her Flowers" von Rupi Kaur - noch so ein Buch, das ich schon ewig lesen wollte (und ja, ich muss dringend auch noch "Milk and Honey" dazu kaufen) und irgendwie bin ich gerade sowieso sehr sprach- und wortverliebt. Es gibt ja so Zeiten, gerade im Winter, da können Worte durchaus viel bewegen und verändern. 

Ich habe, während ich all die Gedichte und Geschichten las - und ich gebe zu das habe ich die ganze letzte Woche gemacht, wenn ich Zeit dafür fand-  gespürt wie ich innerlich ruhiger wurde und mir über viel Dinge klar wurde. 
Und auf einmal führt dieser Post in eine völlig andere Richtung. (Hahah, lebendiges Schreiben) 
Während ich euch nämlich eigentlich nur einen Ausschnitt eines Buches vorwerfen wollte, bin ich plötzlich darauf gekommen, dass es eigentlich gar nicht unbedingt geht. 

Vielmehr um die Tatsache an sich. In den letzten Wochen war ich nämlich recht unzufrieden mit mir. Ich war genervt von allem, unter Strom und wirklich nicht die beste Version meiner selbst. Letzte Woche habe ich ein bisschen damit angefangen etwas zu verändern. Gar nicht viel, nur Kleinigkeiten. Ich habe immer noch sehr viel gearbeitet, immer noch richtig viel zu tun gehabt, aber ein bisschen was habe ich trotzdem anders gemacht. 

Ich bin abends nachhause gekommen, habe mir eine Indie Playlist auf youtube gesucht (es lebe das Hipsterklischee meiner Generation), die Lichterkette an meinem Bett angemacht und gelesen. 
Gedichte, weil mir danach war. Gerne auch einen ganzen Abend. Ich war mit einem lieben Freund Tee trinken (allein das Gespräch wäre ausreichend für einen eigenen Post), habe mir eine Karte fürs Ballett gekauft und bin nur mit mir selbst ausgegangen, ich habe Pläne für einen Magharita Abend mit einer Freundin geschmiedet und überhaupt habe ich wieder mehr von den Dingen integriert, die mich zufriedener machen. 


Das ist auch bitter nötig gewesen, denn irgendetwas nagte ganz gewaltig an mir. Zunächst war das alles gar nicht so zielführend. Tatsächlich hatte ich am Ballettabend ein richtig angespanntes Gefühl und wollte am Samstag einfach nur eine Decke über meinen Kopf ziehen und mit niemandem mehr sprechen. Aber vielleicht war das auch einfach dran. Ich habe in den letzten Wochen so wenig auf mich geachtet und alles ignoriert, dass ich erst, sobald ich anfing mir wieder einige schöne Dinge zu erlauben, begriff wie blöd ich tatsächlich mit mir umgegangen war- das macht natürlich erst einmal unzufrieden. 

Und ja, das macht natürlich unzufrieden. Deswegen mein heutiges Plädoyer für den Montag: 
Erlaubt euch die schönen Dinge im Alltag. Geht ins Ballett, hört Musik, lest ein Buch, genießt Kakao mit einem Freund, seid albern. Nichts davon muss man sich verdienen, nichts davon muss erst erarbeitet werden, wenn wir nur erst brav waren und alle unsere Arbeit erledigt haben. Macht eure Arbeit, selbstverständlich, aber sucht die kleinen Momente, die Zwischenräume, die 10 Minuten für einen Kaffee und ein Buch, für eure Lieblingsmusik beim Abwasch, für einen Spaziergang. 

Was auch immer euch zufriedener macht: Tut genau das. Nicht in 20 Jahren, nicht wenn alle Punkte der To Do Liste abgearbeitet sind (Seien wir ehrlich, das sind sie eh nie), sondern einfach zwischendurch. 

“So, what if, instead of thinking about solving you whole life, you just think about adding additional good things. One at a time. Just let your pile of good things grow.

 Rainbow Rowell, Attachments

Habt einen guten Start in die Woche
Lotte

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